Wort zum Sonntag

„Azzurri!“ Für den einen strahlt der Himmel azurblau. Für den anderen ist der wolkenverhangen und weint Tränen. Da passt die idealtypische Wetterlage Italiens und Englands doch auch zur Gemütslage in diesen Ländern nach der Fußball EM. Des einen Freud, des andern Leid. Vom Helden bis zum Buhmann ist es nur einen verschossenen Elfmeter weit.

Anfang der Woche stand ich vor dem Bäckereifachgeschäft meines Vertrauens, um festzustellen, dass es dort Betriebsferien gibt. Die anfängliche Irritation wich schnell der Panik, drei Wochen ohne Brot auskommen zu müssen. Es konnte aber nach sachlicher Überlegung ein anderer Brot-Dealer in der Nähe gefunden werden. Zu meiner Beruhigung werde ich meinen gewohnheitsmäßigen Alltagstrott fortsetzen können.

Jesus schickt seine Jünger aus. Sie sollen zu zweit selbständig etwas für das Reich Gottes tun. Begeistert kommen sie zurück. Jesus verordnet Einsamkeit und Ruhe. Statt Ruhe gibt es einen Massenandrang suchender Menschen. Das ist lästig. Jesus hat Mitleid und lehrt sie lange und vieles. Dann wird die Situation zur Überforderung für die Jünger, weil Jesus sie auffordert, den fünftausend Anwesenden etwas zu essen zu geben. Bei der Menge wäre wohl selbst das Bäckereifachgeschäft meines Vertrauens überfordert gewesen. Aber das hatte ja damals auch nicht geöffnet und die Jünger hatten nicht einmal ein Bäckereifachgeschäft in der Nähe.

Manchmal sind es Kleinigkeiten, die Stimmungen umschlagen lassen können: von „himmelhochjauchzend“ in „zu Tode betrübt“. Die Jünger haben Jesus an ihrer Seite als ruhenden Pol, an dem sich die Wogen glätten. Gottvertrauen hilft in allen Lebenslagen.

„In der Unrast schenkst du Ruh, / hauchst in Hitze Kühlung zu, / spendest Trost in Leid und Tod.“, sagt ein Gebet zum Gott in uns, zum Heiligen Geist und bittet zugleich: „Komm, o du glückselig Licht, / fülle Herz und Angesicht, / dring bis auf der Seele Grund. /…/ Was befleckt ist, wasche rein, / Dürrem gieße Leben ein, / heile du, wo Krankheit quält. / Wärme du, was kalt und hart, / löse, was in sich erstarrt, / lenke, was den Weg verfehlt. / Gib dem Volk, das dir vertraut, / das auf deine Hilfe baut, / deine Gaben zum Geleit. / Lass es in der Zeit bestehn, / deines Heils Vollendung sehn / und der Freuden Ewigkeit.“

Ein Beitrag von Dechant Gerald Haringhaus.

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