Erntedank

Bilder: Friedbert Simon – In: Pfarrbriefservice.de

Am ersten Wochenende im Oktober feiern wir das Erntedankfest. In ländlichen Gegenden beteiligen sich oft noch – wenn Corona es nicht verhindert – alle Vereine und Gruppen eines Dorfes an der Gestaltung aufwändiger Umzüge mit geschmückten Erntewagen. Dagegen wird in den Städten das Fest fast nur noch in den Kirchen begangen, weil die meisten Menschen in ihrem Alltag keinen Bezug mehr zur Landwirtschaft haben.

In den Gottesdiensten an diesem Wochenende werden wir auch diesmal für „die Frucht der Erde und der menschlichen Arbeit“ danken.

Anders als in einigen der letzten Jahre blieb diesmal die große Trockenheit aus. Die Natur sah wieder „grüner“ und üppiger aus. Und die Ernte der meisten Obst-, Gemüse- und Getreidesorten ist zufriedenstellend ausgefallen.

Doch die Hochwasserkatastrophe im Juli, die vielen Waldbrände in diesem Jahr weltweit und die schweren Stürme sind deutliche Warnungen vor den Folgen des Klimawandels. Daher müssen wir am Erntedankfest auch den Wissenschaftlern und Aktivisten danken, die engagiert forschen oder sich in Projekten für die Rettung bedrohter Arten und Wälder, umweltverträgliche Landwirtschaft und Wasserwirtschaft und damit für die zukünftige Ernährung der Weltbevölkerung einsetzten – oft trotz persönlicher Bedrohungen.

Coronabedingt fehlten ausländische Saisonkräfte in der Landwirtschaft. Sie waren zum Teil nicht durch Einheimische zu ersetzen, weil wir solche schweren körperliche Tätigkeiten nicht mehr gewohnt sind. Oft sind Menschen durch die schlechte wirtschaftliche Lage in ihren Heimatländern dazu gezwungen, diese Arbeiten anzunehmen. Menschen, die in der Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion tätig sind, verdienen einen gerechten Arbeitslohn und menschenwürdige Lebensbedingungen. Wir können ihnen dankbar sein, dass sie für unser Essen arbeiten. Unsere Nahrungsmittel sollten uns deshalb auch etwas „wert“ sein.

Und nicht zuletzt können wir dankbar dafür sein, dass in Deutschland niemand hungern muss. Anders sieht es in den Ländern auf der Südhalbkugel der Erde aus. Wer dort keine Arbeit hat, hat in der Regel auch keine Einkünfte. Viele Afrikaner haben deshalb mehr Angst vor den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie als vor einer Erkrankung. Auch Ernteausfälle aufgrund von Dürre, Erdbeben oder kriegerischen Auseinandersetzungen bedeuten Mangel und Hunger für Millionen Menschen weltweit.

Am 4. Oktober ist der Festtag des heiligen Franziskus von Assisi. Franziskus hat schon vor 800 Jahren Gott in seinem berühmten Sonnengesang für die Schönheit und Sinnhaftigkeit der Schöpfung gedankt. Außerdem hat der reiche Kaufmannssohn auf sein Erbe verzichtet und persönlich für die Armen und Kranken seiner Umgebung gesorgt. Sein Vorbild sollte uns Bewohner wohlhabender Staaten auf der Nordhalbkugel der Erde motivieren, uns heute für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung zu engagieren.

Ein Beitrag von Armgard Diethelm.

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